Ich wär so gerne Millionär…
Die Frage kommt immer nach dem Gewinn von 16.000 Euro: “Was machen Sie jetzt mit dem Geld?”
Erstaunlich oft bekommt Günther Jauch darauf nur unklare Antworten. “Unser Bad müsste mal renoviert werden” oder “eine Reise vielleicht”. Jeder träumt von dem großen Reichtum, doch wirklich brauchen tun ihn wohl die wenigsten, wie sich häufig zeigt.
Auch ich könnte Jauch keine befriedigende Antwort geben. Knapst man als Student mit ein bißchen Geld vor sich hin, so sehnt man sich häufig danach, sich einmal etwas leisten zu können. Das nette Kleid für 80 Euro wäre sofort gekauft, wenn man nicht jeden Euro umdrehen müsste, also wird stattdessen doch das langweiligere Sonderangebot bei H&M erworben. Schuhe für höchstens 30 Euro, obwohl jene für 100 viel schöner wären. Später, wenn man mal Geld hat…
Nun verdiene ich seit einigen Monaten ganz passabel, und trotzdem ändert sich nicht viel. Etwas großzügiger bin ich geworden. Jetzt darf es auch mal das teurere Bio-Shampoo sein, und im Restaurant kann man gern eine Flasche Rotwein nachbestellen. “Wofür verprasst Du Dein erstes Gehalt?”, fragte Anjes neulich bei unserer Jogging-Runde neugierig. Meine einzige größere Anschaffung war das neue (nun schon wieder verschwundene) Fahrrad, Marke Aldi-Nord - nicht einmal ein Fünftel meine Monatsgehalts wert.
Ein Auto brauche ich hier in der Stadt ganz bestimmt nicht, Gründe für einen Umzug drängen sich auch nicht auf. Und ein Leben ohne Arbeit stelle ich mir todlangweilig und einsam vor. Klar ist es bestimmt ganz interessant, ab und zu einmal auswärts in noblen Hotels zu übernachten oder abends bequem im Taxi nach Hause zu kommen, doch zum Standard muss es nicht unbedingt werden.
Ich glaube, viele teilen jene materielle Zufriedenheit, wie ich sie im großen und ganzen habe. Dennoch träumen sie vom Reichtum. Höchstwahrscheinlich vermittelt jener noch immer das Gefühl einer Sicherheit. Wer einmal im finanziellen Überfluss lebt, braucht keine Angst zu haben, in der Gesellschaft irgendwann einmal ganz unten zu sein - eine Angst, die gerade angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren auch an perfekt ausgebildeten Akademikern nicht spurlos vorüber gegangen ist. So wäre auch meine Investition bei einem Großgewinn in Jauchs Show höchstwahrscheinlich eine Eigentumswohnung in guter Lage an Alster oder Elbe - die ist immer was wert!
Ein Freund von mir lebte, wie ich mich erinnere, noch zu DMark-Zeiten teilweise ganz sparsam und verriet mir einmal sein Ziel, auf diese Weise irgendwann einmal Millionär zu sein. Ich schätze, er hat dieses Ziel mit der Euro-Einführung verworfen - ich habe ihn nie wieder darauf angesprochen. Trotzdem frage ich mich, beim Nachdenken darüber, welch Sinn in diesem Verhalten stecken soll, denn unklar bleibt, was in diesem Fall den Reiz des Millionärs-Daseins ausmacht. Sich plötzlich alles leisten zu können, nachdem man jahrzehntelang nur verzichtet hat?
Dann doch lieber ab und an ‘eine Reise vielleicht’. Und noch eine Flasche Rotwein…



am 4. Juni 2007 um 09:36 Uhr.
Bei mir wurde auch neulich Fahrrad geklaut.
am 5. Juni 2007 um 01:30 Uhr.
Für eine Bierwärtin schreibst du erstaunlich oft von Wein.
Um meinen unqualifizerten Kommentar etwas abzumildern: Interessanter Eintrag mit interessanten Gedanken.
am 13. Juli 2007 um 14:34 Uhr.
Was tun mit einer Million in Hamburg? Ne richtig schöne Wohnung mit großem Balkon oder Dachterasse, in zentraler Lage, super Energiewerte, Platz für vier bis fünf Personen und zwei Katzen, kaufen und einrichten - danach ist schon mal ein schöner Batzen von der Million weg. Da ließe sich also durchaus was machen …