Bierwärtin 

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Heute morgen in der U-Bahn zwischen Landungsbrücken und Baumwall…

Bloged in Allgemein von linda Mittwoch Juni 27, 2007

Hinter mir unterhalten sich zwei ca. 13-jährige Mädchen.

Nr. 1: “Ist schon echt schöner, wenn die U-Bahn so oberirdisch fährt.”

Nr.2: “Aber auch gefährlicher. Wenn sie umkippt, ist nichts an den Seiten, was sie aufhalten kann.”

Lehrmittelfreiheitsverteidiger, auf in den Kampf!

Bloged in Allgemein von linda Montag Juni 25, 2007

Seit einigen Wochen läuft hier in Hamburg eine Plakatkampagne, die ich extrem zweifelhaft finde. Auf Plakaten sieht man halbe Hosen, abgeschnittene Markenschuhe oder unfertige Tattoos, und die Website eigenes-schulbuch.de wirbt auf diese Weise dafür, sich Lehrbücher anzuschaffen, anstatt Geld in scheinbare “Luxusgüter” zu investieren.

Guckt man sich die Homepage mit vielen Animationen und vergleichsweise wenig Inhalt an, so wird dort versucht, jene These noch zu untermauern. Statistiken zeigen, wieviel pro Nase im Durchschnitt  in Mode, Musik und ähnliches investiert wird, während die Ausgaben für Lehrmittel dagegen verschwindend gering sind.

Sicher klingt der Vorsatz schön, lieber in Bildung als in “Luxusgüter” zu investieren, doch meiner Meinung nach schwingt in den Plakaten der ungeheuerliche Vorwurf mit, dass jene, die kein Geld für Lehrmittel übrig haben, ihr Geld scheinbar sinnlos verprassen würden.

Zudem ist ein Staat, der es sich nicht leisten will, die grundlegende Bildung seiner Bürger zu finanzieren, meiner Meinung nach verdammt arm dran. Über den Gerechtigkeitsaspekt von Studiengebühren lässt sich streiten, doch wenn soziale Selektivität bereits in der Grundschule aktiv vorangetrieben wird,  ist dies schon traurig.

Jenes Geld, was hier in die zahlreichen Plakate geflossen ist, wäre bei den Schülerinnen und Schülern, die es ansprechen soll, wesentlich besser investiert gewesen. Dass es in Hamburg keine Lehrmittelfreiheit mehr gibt, ist traurig genug (und bei grüner Regierungsbeteiligung hoffentlich bald wieder rückgängig gemacht ;) ). Dies nun auch noch aktiv zu bewerben, lässt einen einfach nur den Kopf schütteln.

Hamburg vs. Berlin - eine Liebeserklärung an die Hansestadt

Bloged in Allgemein von linda Dienstag Juni 19, 2007

Ob in den Medien oder im Privatleben - es gibt meinem Empfinden nach kaum zwei deutsche Städte, die so sehr miteinander in Konkurrenz stehen, wie Hamburg und Berlin.

In Bezug auf die Presseberichterstattung geht es dabei hauptsächlich um den Medienstandort. Zuletzt war es die BILD, die verkündete, in die Hauptstadt umzuziehen. Vorher sind bereits zahlreiche Filmproduktionen abgewandert.

Wirtschaftlich ist wohl schwer zu bestreiten, dass es Hamburg besser geht. Rosigere Haushaltslage, weniger Arbeitslose… und trotzdem angeblich Deutschlands Großstadt mit der stärksten sozialen Polarisierung. In Berlin hingegen habe ich häufig das Gefühl, dass der desolate Zustand der öffentlichen Kassen zu stärkerer Bewohnerdurchmischung und mehr Kreativität in der kulturellen Gestaltung führt.

Doch ob die Hauptstadt dadurch wirklich an Attraktivität gewinnt, ist umstritten. Niedrige Wohnungs- und Bierpreise sind verlockend, allerdings sagen Gerüchte, die Beach-Clubs in Hamburg seien um ein Vielfaches schöner. M., seit einigen Jahren in Berlin wohnhaft, beschwerte sich kürzlich, selbst das nobelste Hamburger Kaufhaus habe keine vernünftige Fischabteilung. J. hingegen, vor wenigen Jahren zum Studium nach Berlin abgewandert, konnte seinen Blick beim gemeinsamen Joggen gestern nicht mehr von der Außenalster abwenden und suchte sich im Geiste bereits eine schicke Wohnung für die Zeit nach seiner Rückkehr aus. H., unser Nachwuchs-Talent bei der Grünen Jugend, will ihren Lebensmittelpunkt nach dem Abitur leider auch nach Berlin verlegen, obgleich sie bereits jetzt eingesteht, die Hansestadt vermissen zu werden.

Vielleicht fällt der Vergleich mittlerweile ganz einfach zu leicht. Jede Stunde fährt ein ICE, dessen Fahrzeit exakt 1:36 h beträgt, zwischen beiden Städten hin und her. Obgleich die Fahrpreise immer teurer werden, ist der Zug morgens um kurz nach 8 Uhr mit Pendlern überfüllt, wie ich neulich feststellte. Gerade kürzlich erzählte mir eine Freundin, wie entspannt sie eine langjährige “Fernbeziehung” in die Hauptstadt erlebt habe. - “In der Woche hatte ich Zeit für mich, am Wochenende war man zügig beim Partner.”

Noch vor einem Jahr kannte ich die Hauptstadt kaum. Mittlerweile bin ich immer öfter dort und fühle mich im U-und S-Bahn-Netz mittlerweile fast heimisch. Der Fußmarsch vom Hauptbahnnhof zur grünen Bundesgeschäftsstelle erscheint jeden Monat kürzer, meinen Lieblings-Italiener in Kreuzberg habe ich bereits vor einem halben Jahr auserkoren.

Und doch muss ich letztendlich zugeben, dass ich ein Hamburg-Fan bin und bleiben werde. Alster und Elbe, Fischmarkt und Schanzenviertel - Orte, an denen ich mich in jener Weise beheimatet fühle, wie hier, suche ich in Berlin bislang vergeblich. Auch erscheinen mir die Menschen hier treuer und verlässlicher, das Marathon-Publikum stimmungsvoller… Ich bin mir sicher, dass auch die BILD das bald merken wird. Jene untreuen Hochschulabwanderer sowieso - selber schuld!

Gute Karrierechancen lassen Frauen unpolitisch werden

Bloged in Allgemein von linda Montag Juni 11, 2007

Ich hoffe, Ihr seid über den Titel dieses Beitrags gestolpert. Ich halte ihn für kompletten Schwachsinn und bin somit kaum verwundert, dass die CDU-Abgeordnete, die dies in einem WELT-Artikel behauptet, sich anonym zitieren lässt. “Frauen haben heute beruflich eben viel mehr Möglichkeiten - es ist nicht leicht, sie neben Beruf und Familie auch noch für die Politik zu begeistern”, heißt es da.

Normalerweise habe ich ja eine ziemliche Presse-Skepsis, aber kann man jemandem so stark die Worte im Mund verdrehen?! Weiter hinten in dem WELT-Artikel zu Frauenbeteiligung in politischen Jugendorganisationen, der bereits im April erschien, werde ich zitiert, wie ich heute entdeckte. Ich fühle mich tatsächlich nur unzureichend zitiert, was meine Worte in ein leicht anderes Licht rückt, als sie gemeint waren, aber dies nur am Rande…

Gut verstehen würde sich jene CDUlerin höchstwahrscheinlich mit der ebenfalls zitierten stellvertretenden Juso-Chefin, die es klasse findet, spezielle Veranstaltungen für Neumitglieder anzubieten, in denen es explizit nicht um Politik geht. Hierbei frage ich mich, warum jene Neumitglieder überhaupt erst eintreten. Natürlich gibt es auch bei der Grünen Jugend Hamburg Veranstaltungen und “Randerscheinungen”, die eher auf das gemeinsame Miteinander abzielen oder politische Inhalte in lustigem und lockerem Rahmen vermitteln. Doch wer nicht auch an politischen Diskussionen und Bearbeitungen interessiert ist, wird gar nicht erst vorbeikommen oder zumindest nicht lange bleiben, wie ich vermute. Mit reinen Spaß-Aktionen gezielt zu werben halte ich daher für fragwürdig.

Insgesamt finde ich die Fragestellung des Artikels - warum Frauen in der Politik unterrepräsentiert sind - schon spannend. Auch wenn ich selbst keine für mich befriedigende Antwort darauf geben kann, so scheinen dies, wie es aussieht, andere noch viel weniger zu können. Das Hinterzimmer-Argument überzeugt noch am ehesten. An den vielfältigen beruflichen Möglichkeiten liegt es sicher nicht!

Liebeskummer-Strategien

Bloged in Allgemein von linda Mittwoch Juni 6, 2007

Ich möchte heute auf ein Thema eingehen, zu dem wohl fast jeder etwas sagen kann: Die Freundschafts-Frage im Liebeskummer-Fall.

Der Vorsatz “Lass uns Freunde bleiben” insbesondere nach dem Scheitern einer Beziehung ist bekannt. Ich denke, dass er in den meisten Fällen tatsächlich auch ernst gemeint ist. Schließlich erscheint es unwahrscheinlich, dass man eine Beziehung überhaupt erst eingeht, wenn man sich nicht irgendwie sympathisch ist. Zudem lernt man sich in einer Beziehung sehr gut kennen und baut ein enges Vertrauensverhältnis auf.

Dennoch ist es aus meiner Sicht fraglich, ob jene Freundschafts-Aufrechterhaltung, insbesondere für die verlassene Person, die beste beste Strategie ist. Und diese Freundschafts-Infragestellung gilt nicht nur für das Ende von Beziehungen. Auch nach Affären oder in einer bestehenden Freundschaft - sobald eine von beiden Personen sich insgeheim mehr erhofft, stelle ich mir jedesmal die Frage, ob nicht der bewusste Abstand voneinander die bessere Lösung ist, um über Liebeskummer hinwegzukommen. Andererseits ist es auch dann erst einmal quälend, den anderen nicht zu sehen oder von ihm zu hören.

Blicke ich zurück, so habe ich in beschrieben Situationen von meiner Seite aus fast nie eine völlige Freundschafts-Kappung vollzogen. Und tatsächlich ist es in einem Fall gelungen, aus der Liebeskummer-Situation zu einer sehr engen und langjährigen Freundschaft zu kommen, die ich nicht missen möchte. In einem anderen Fall jedoch ging die fast komplette “Funkstille” von anderer Seite aus, und merklich kürzer war die harte “Kummerphase” trotzdem nicht.

Somit verbleibe ich ratlos und muss wohl noch einige “Freundschaftsversuche” miterleben, bis sich meine Frage mit Hilfe quantifizierbarer Ergebnisse beantworten lässt.

Die Demo in Rostock war weitgehend friedlich!

Bloged in Allgemein von linda Sonntag Juni 3, 2007

“Liest man Spiegel online, denkt man an bürgerkriegsähnliche Zustände”, erklärte Kai gerade bei der Nachfrage, ob ich heil aus Rostock zurückgekommen sei. Von einem “Krawalltag” ist dort die Rede, die Tagesschau zieht eine “schockierende Bilanz”.

Ich habe in der Ferne den Rauch des brennenden Autos gesehen, zeitweise lief eine Polizeikette an mir vorbei, und das Dröhnen des Hubschraubers machte mich halb verrückt - ansonsten habe ich, und wohl auch die meisten anderen, eine friedliche Demo und ein großes Volksfest erlebt, wie es in Hamburg fast schon unvorstellbar scheint.

Dazu muss man wissen, dass es zwei Demonstrationszüge gab, die sich im Hafen getroffen haben. Wir sind im grünen Block von der Hamburger Straße aus losgelaufen, und ich habe an der gesamten Strecke von ca. 5 Kilometern keine Polizisten am Rand stehen sehen! (Herr Nagel, es geht auch so!) Wahrscheinlich standen einige in den Nebenstraßen, um schnell im Fall des Falles da zu sein, aber sie waren nicht sichtbar und boten möglichen Randalierern somit auch keine Angriffsfläche.

Ein zweiter Zug kam vom Bahnhof. Beim Zusammentreffen im Hafen wurden von Protestlern jenes Blockes scheinbar Flaschen und Steine geworfen - Emily beobachtete ein bißchen was von einem Hügel aus. An der großen Festbühne sowie im Bereich der darumliegenden Fress- und Trinkbuden war von alldem jedoch nicht viel mitzubekommen - abgesehen von Hubschaubern und Rauch in der Ferne, wie ich bereits erwähnte. Ab und zu kamen Leute, die näher am Geschehen dran gewesen waren, und beklagten sich über Reizungen durch Tränengas, welches die Polizei in ihre Wasserwerfer gemischt hatte…

Ich kann wenig dazu sagen, wieviele Demonstranten es nun wirklich waren. Auch fällt mir eine Einschätzung schwer, ob die Polizei tatsächlich, wie es von Bühnenrednern immer wieder gesagt wurde, einen Teil der Krawalle mit provoziert hat. Scheinbar gab es eine Gruppe von ca. 200 Leuten, die sich gezielt auf Krawalle vorbereitet hatten - so etwas ist natürlich nicht akzeptabel. Ebenso traurig finde ich jedoch, dass alle Welt von der Presse nun vermittelt bekommt, die Demo sei lediglich von Krawallen geprägt gewesen! Mindestens 30.000 Menschen haben dort friedlich, kreativ und fröhlich ihren Willen für eine gerechtere Globalisierung zum Ausdruck gebracht, aber davon sieht man nach außen hin kaum etwas!

Die aktuelle Zigarette mit Helmut Schmidt enttäuscht

Bloged in Allgemein von linda Freitag Juni 1, 2007

Visionen und Hoffnung auf Veränderung sind meiner Meinung nach unverzichtbare Motivationen, wenn man Politik macht. Stehen diese beim Einsatz für politische Ziele nicht im Hintergrund, so sind Politikerinnen und Politiker meiner Einschätzung nach komplett unglaubwürdig.

Das Interview mit Helmut Schmidt in der ZEIT dieser Woche wirkt vor diesem Hintergrund nahezu entsetzend. Er äußert sich darin zur aktuellen politischen Situation in Russland und stellt in diesem Zusammenhang menschenrechtlich gesehen schlichtweg inakzeptable Vergleiche auf. Auf die Frage, ob Stabilität in einem Land wichtiger sei, als die Einhaltung der Menschenrechte, antwortet er lediglich, dass jene schließlich auch in zahlreichen anderen Staaten nicht eingehalten würden. “Seit tausend Jahren wird Russland autoritär und diktatorisch regiert. Die politische Kultur besteht aus Diktatur”, ergänzt Schmidt pragmatisch. Zudem nennt er es wünschenswert, dass auswärtige Mächte sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Staates einzumischen hätten.

Gerade vergangene Woche war Volker Beck in Moskau bei einem kleinen Zusammentreffen homosexueller Parlamentarier festgenommen und mit Eiern beworfen worden - und hatte damit noch Glück, denn zahlreiche seiner Mitstreiter wurden brutal verprügelt.

Mit Verlaub, Herr Schmidt - wenn Sie nicht den Willen haben, sich dafür einzusetzen,  dass grundlegende Menschenrechte weltweit verteidigt werden, so verlieren Sie  jegliche politische Glaubwürdigkeit.  Glücklicherweise haben viele Menschen, die sich morgen auf den Weg nach Rostock machen werden, jene Visionen und Hoffnungen noch, die Ihnen scheinbar fehlen.

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