Ob in den Medien oder im Privatleben - es gibt meinem Empfinden nach kaum zwei deutsche Städte, die so sehr miteinander in Konkurrenz stehen, wie Hamburg und Berlin.
In Bezug auf die Presseberichterstattung geht es dabei hauptsächlich um den Medienstandort. Zuletzt war es die BILD, die verkündete, in die Hauptstadt umzuziehen. Vorher sind bereits zahlreiche Filmproduktionen abgewandert.
Wirtschaftlich ist wohl schwer zu bestreiten, dass es Hamburg besser geht. Rosigere Haushaltslage, weniger Arbeitslose… und trotzdem angeblich Deutschlands Großstadt mit der stärksten sozialen Polarisierung. In Berlin hingegen habe ich häufig das Gefühl, dass der desolate Zustand der öffentlichen Kassen zu stärkerer Bewohnerdurchmischung und mehr Kreativität in der kulturellen Gestaltung führt.
Doch ob die Hauptstadt dadurch wirklich an Attraktivität gewinnt, ist umstritten. Niedrige Wohnungs- und Bierpreise sind verlockend, allerdings sagen Gerüchte, die Beach-Clubs in Hamburg seien um ein Vielfaches schöner. M., seit einigen Jahren in Berlin wohnhaft, beschwerte sich kürzlich, selbst das nobelste Hamburger Kaufhaus habe keine vernünftige Fischabteilung. J. hingegen, vor wenigen Jahren zum Studium nach Berlin abgewandert, konnte seinen Blick beim gemeinsamen Joggen gestern nicht mehr von der Außenalster abwenden und suchte sich im Geiste bereits eine schicke Wohnung für die Zeit nach seiner Rückkehr aus. H., unser Nachwuchs-Talent bei der Grünen Jugend, will ihren Lebensmittelpunkt nach dem Abitur leider auch nach Berlin verlegen, obgleich sie bereits jetzt eingesteht, die Hansestadt vermissen zu werden.
Vielleicht fällt der Vergleich mittlerweile ganz einfach zu leicht. Jede Stunde fährt ein ICE, dessen Fahrzeit exakt 1:36 h beträgt, zwischen beiden Städten hin und her. Obgleich die Fahrpreise immer teurer werden, ist der Zug morgens um kurz nach 8 Uhr mit Pendlern überfüllt, wie ich neulich feststellte. Gerade kürzlich erzählte mir eine Freundin, wie entspannt sie eine langjährige “Fernbeziehung” in die Hauptstadt erlebt habe. - “In der Woche hatte ich Zeit für mich, am Wochenende war man zügig beim Partner.”
Noch vor einem Jahr kannte ich die Hauptstadt kaum. Mittlerweile bin ich immer öfter dort und fühle mich im U-und S-Bahn-Netz mittlerweile fast heimisch. Der Fußmarsch vom Hauptbahnnhof zur grünen Bundesgeschäftsstelle erscheint jeden Monat kürzer, meinen Lieblings-Italiener in Kreuzberg habe ich bereits vor einem halben Jahr auserkoren.
Und doch muss ich letztendlich zugeben, dass ich ein Hamburg-Fan bin und bleiben werde. Alster und Elbe, Fischmarkt und Schanzenviertel - Orte, an denen ich mich in jener Weise beheimatet fühle, wie hier, suche ich in Berlin bislang vergeblich. Auch erscheinen mir die Menschen hier treuer und verlässlicher, das Marathon-Publikum stimmungsvoller… Ich bin mir sicher, dass auch die BILD das bald merken wird. Jene untreuen Hochschulabwanderer sowieso - selber schuld!
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