Die Presse schweigt über Baring
Ich konnte mir als Kind nie richtig vorstellen, inwiefern Presse subjektiv sein kann. “Die berichten doch einfach alle über das, was passiert ist”, dachte ich mir. Später erkannte ich dann in der einen oder anderen Berichterstattung doch mal die Meinung des Journalisten durchblitzen.
Wirklich erkennen tut man Subjektivität der Presse allerdings wahrscheinlich vor allem dann, wenn man selbst Ereignisse besucht, über die im Nachhinein berichtet wird oder wenn man in irgendeiner Form Politik macht und mit der Presse zu arbeiten versucht. Denn die größte Subjektivität, die sich wohl auch nie verhindern lässt, entsteht meiner Ansicht nach durch Selektion.
Ein aktuelles Beispiel, an dem mir dies wieder einmal deutlich wird, ist der Auftritt Arnulf Barings bei der Eröffnung der Ballinstadt am Mittwoch. Zur Einweihung des neuen Auswanderermuseums kamen ca. 600 geladene Gäste, um das kleine neu errichtete Dorf in einer fast dreistündigen Zeremonie zu feiern. Dabei wurde immer wieder der Bogen dahin geschlagen, dass auch Deutschland heute ein Einwanderungsland sei und man an Amerika sehen könne, welche Chancen sich dadurch böten, wenn man Einwanderung und Integration richtig gestalte. Selbst Herr von Beust hat dies inzwischen begriffen und ließ es sich nicht nehmen, sich bei dieser Gelegenheit für seine zahlreichen integrationspolitischen Kampagnen feiern zu lassen.
Doch nach zahlreichen Grußworten und etwas Musik folgte dann der Hauptredner der Veranstaltung - Arnulf Baring, laut Programm Historiker und Soziologe. (Laut Iris eine ihr bereits aus zahlreichen Talkshows bekannte ‘Krawallnudel’) Nach einem relativ unverfänglichen historischen Einstieg wurde seine Rede zunehmend populistischer. Dass 2050 voraussichtlich 50% der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund hätten sei alarmierend, die Türken seien das große Problem Deutschlands und der Islam im Grundsatz eine aggressive Religion. Nebahat und ich standen nach jenen Äußerungen demonstrativ auf und verließen das Festzelt. Zwei andere Mitglieder der GAL-Fraktion blieben sitzen und erzählten hinterher, es sei immer schlimmer geworden. Sozialschmarotzerei und ähnliches…
Wie ich gestern erfuhr, war jene Rede beim Empfang der amerikanischen Botschaft Mittwoch abend noch eines der Haupt-Gesprächsthemen, und der amerikanische Generalkonsul zweifelte sogar an, ob er seine Grußworte gesprochen hätte, wenn er von jener Rede vorher gewusst hätte. Die Presse schwieg am Donnerstag jedoch. “Die waren alle nur am Anfang da und haben das nicht mehr so mitbekommen“, vermuteten wir. Deshalb fiel der Entschluss, zu dem Vorfall eine Kleine Anfrage mit PM zu machen.
Doch auch heute schweigt die Presse. Ich bin gespannt auf die Senatsantwort zu der Kleinen Anfrage. Sie müsste ins Sommerloch fallen…



am 9. Juli 2007 um 01:37 Uhr.
Jeder Mensch lebt halt in seinem Kosmos…. schade nur, dass dieser seinen anscheinend noch nicht einmal in die richtige Bahn geordnet hat.
Nennt man dann soetwas “am rechten Rand fischen” ?
LG
am 10. Juli 2007 um 20:53 Uhr.
uihh, liebe linda, das muss ja in den ohren weh getan haben!!!! Ich finde aber, dass du, wenn du Beusts “Integrationspolitische Kampagnen” erwaehnst auch schreiben solltest, dass da nicht viel hinter steckt, bzw. dass es ihm nur um bestimmte Migranten geht.
Lg und bis bald
am 30. Juli 2007 um 23:45 Uhr.
[…] Arnulf Baring […]