Belfast - book a guided walk with ex-prisoners…
Es ist schon irgendwie kurios, wie der nordirische Tourismusverband den hiesigen Konflikt zwischen Unionisten und Nationalisten vermarktet, der in der Hauptstadt an zahlreichen Stellen sichtbar zu Tage tritt.
Patriotische Wandmalereien, “Memorial gardens” fuer Opfer des Konfliktes sowie die lange Mauer zwischen der katholisch besiedelten Falls Road und der protestantisch dominierten Shankill Road werden zu viel besuchten touristischen Highlights.
Als ich vor etwa anderthalb Jahren zum letzten Mal hier war, machte auch ich eine so genannte “Black Taxi Tour”, bei der jene Ziele angesteuert und vom Taxifahrer erlaeutert werden. Inzwischen kann man sogar “guided walks” mit ehemaligen politischen Haeftlingen buchen. Und den Hoehepunkt bildet, wie ich finde, die kleine Broschuere, die mir gestern in die Haende fiel. Sie zeigt all jene beschriebene Art von “Highlights” rund um die Falls Road auf, insgesamt 32, und wirbt mit www.visitwestbelfast.de .
Also nehme ich mir die Broschuere und mache mich auf den Weg in Richtung Falls Road. Gleich zu Beginn komme ich mir an der 4-spurigen Strasse etwas fremd und verloren vor. Waehrend der “Troubles” passierten hier die meisten Morde, viele davon auf offener Strasse. Links liegt “St.Mary’s Primary school” mit komplett vergitterten Fenstern. Ein noch verbarrikadierterer Kindergarten folgt wenig spaeter auf der rechten Strassenseite. Ein Stueck dahinter verlaeuft die etwa 4 Meter hohe Wellblech-Mauer mit Stacheldraht, die diese Strasse von der katholischen Shankill Road trennt.
Auf der gegenueberliegenden Strassenseite kommen mir zwei Asiaten entgegen, offensichtlich Touristen - jetzt fuehle ich mich doch nicht mehr ganz so fremd. Wohl allerdings auch nicht. In einem Hinterhof erkenne ich eine kleine Wandmalerei mit keltischen Symbolen, rund um den Schriftzug “Failte”. Das Wort heisst im Irischen “Willkommen” und laeuft meinem derzeitigen Gefuehl diametral entgegen, weshalb ich umdrehe und lieber zurueck in die City laufe.
Auf dem Weg kommt mir ein “Belfast City Sightseeing Bus” entgegen. Wirklich moegen tu ich die Dinger auch nicht, trotzdem sitze ich 10 Minuten spaeter in ebensolchem, um die “Falls Road” nochmal in der klar erkennbaren Rolle als Touristin ganz hoch zu fahren. Zurueck geht es ueber die protestantische Shankill Road, wo vor knapp einer Woche ein grosses “Bomb Fire” stattfand, bei dem eine riesige irische Flagge verbrannt wurde. Die Auswirkungen sind deutlich sichtbar - viele verkokelte Reste und halb geschmolzene Ampeln und Strassenschilder…
5 Minuten entfernt, im City Center, erinnert nichts an jene Bilder. Lediglich die ab und zu vorbeifahrenden Polizeifahrzeuge, die kleinen Panzern aehneln, lassen einen als Touristen die Stirn runzeln. Besonders froehlich, gruen und friedlich ist das zentrale Uni-Viertel, wo ich mich ab morgen verkriechen werde, um dieses seltsame Land weiter zu erforschen.
Derweil bleibt zu hoffen, dass proportional zur staerker werdenden touristischen Vermarktung des Konfliktes Gewalt und gesellschafliche Separierung zurueckgehen.
Slan abhaile



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