Bierwärtin 

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Herbst-Depressionen

Bloged in Kuriositäten des Alltags, Allgemein von linda Mittwoch Oktober 31, 2007

Szenerie am heutigen frühen Abend: Zwischen Büro, einer erneut ernüchternden Stippvisite an der Uni sowie dem Beginn meiner Chorprobe klafft ein Zeitfenster, das ich darauf verwende, in der Innenstadt durch die Filiale einer großen Textilkette zu streifen.

Mein Blick fällt auf eine Trainingsjacke, die mich an einen meiner Lieblings-Pullover erinnert. Prompt wird mir bewusst, wie lange ich jenen Pullover nicht angezogen hatte und dass er mir in den letzten Tagen beim allmorgendlichen Grübeln vor dem Kleiderschrank auch nicht aufgefallen ist. Die Gedanken kreisen darum, ob er auf dem Trip nach Istanbul möglicherweise verlorenging oder still und heimlich in der Waschmaschine verschwand. Da ich frühestens vier Stunden später wieder zu Hause sein würde, um mich auf die Suche zu machen, sinkt meine Laune rapide ab und verbleibt in einer Mischung aus Verlustpanik und Resignation.

Es folgt eine kurze - von vielen meiner Sangesgenossinen unverstandene - Heiterkeitsphase, als Chorleiterin Steffi in dynamischer Form einen Tonkreis erläutert. Danach wieder Trübsal, während ich ihr auf dem Heimweg in der S-Bahn von Universitätsverwaltungen und Vermieter-Ärger berichte. Kurz darauf befällt mich ein Ohrwurm: “Wehrt Euch leistet Widerstand, gegen Sklaventreiber hier im Land…”

Jenen von der S-Bahn pfeifend nach Hause schlurfend, mit Martin an der Strippe panisch nach dem Pulli gesucht, welcher sich ganz hinten zwischen rotem und grünem Wollpullibündel vier Minuten später findet, während mein Parteifreund am anderen Ende der Leitung über Schulterschmerzen klagt und behauptet, mit zunehmendem Alter vergehe zunehmend die Lust auf Frauen, Sex und Alkohol. Er ist fünf Tage älter als ich.

Welch ein Tag…

Sprache und andere kleine Alltagshuerden…

Bloged in Allgemein von linda Dienstag Oktober 23, 2007

The menu, please“, erklaerte Claudius der Kellnerin in dem kleinen Istanbuler Strassencafe vergangenen Samstag, als wir dort um 14.30 Uhr frühstücken wollten. “Menu?” strahlte sie fragend zurück, und wir nickten. Doch kurz darauf erhielten wir nicht etwa die Karte, sondern man tischte uns ein Menü in drei Gaengen auf. Ziemlich viel für ein Frühstück, dennoch sehr lecker ;)

Fast hat man sich daran gewoehnt, dass ueberall auf der Welt Englisch gesprochen wird, und ist das einmal nicht der Fall, so kann das Leben schon mal kompliziert werden. “Man bekommt einen kleinen Eindruck davon, wie es der ersten Einwanderergeneration in Deutschland ging, als sie kein Wort Deutsch verstand” analysierte Claudius unsere Situation. Wahrscheinlich ist das etwas übertrieben - immerhin beschraenkt sich meine Touristentaetigkeit hier insbesondere aufs Besichtigen, Shoppen, Taxi und Tram fahren. Behördengaenge und Aehnliches bleibt mir erspart.

Zudem spricht ein grosser Teil der hiesigen Tuerken mittlerweile tatsaechlich Englisch oder Deutsch - insbesondere in der juengeren Generation. Dass es trotzdem von Vorteil ist, des Tuerkischen maechtig zu sein, erfuhr ich gestern auf dem Basar. Eine junge Japanerin bekam eines der Tuecher vom dortigen Haendler fuer 25 Lira angeboten, der sich schliesslich auf 22 von ihr runterhandeln liess. Ich hingegen war mit Nebahat unterwegs, die für mich auf Türkisch letztlich ebenfalls den Preis von 22 Lira erstritt - allerdings fuer 2 Tuecher. Als sie dem Haendler dann noch erzaehlte, sie sei Politikerin in Deutschland, meinte er, sie in der Zeitung gesehen zu haben, und es gab noch einen Tee für uns beide obendrauf :)

Soviel zu der Sprache. Eine etwas kleinere Hürde stellt die hiesige PC-Tastatur dar. Es dauerte ein paar Minuten, bis ich das richtige “i” fand und so endlich an meine e-mails kam… Und warum gibt es hier zwar die Umlaute “ü” und “ö”, das “ae” jedoch nicht?

Insgesamt jedoch ist Istanbul faszinierend und das rueckstaendige Klischee, was bei vielen Deutschen in Bezug auf Türken vorherrscht, findet sich hier in keiner Weise wieder. Vielmehr laesst sich einiges lernen. Die Chip-Zahlweise in oeffentlichen Verkehrsmitteln ist verkehrspolitisch eine gute Anregung. Und das Wetter würden wir in Hamburg sowieso gern übernehmen ;)

500 Euro für eine menschenunwürdige Behandlung

Bloged in Kuriositäten des Alltags, Allgemein von linda Dienstag Oktober 16, 2007

Ich schwanke gerade zwischen den Optionen, eine Schriftliche Kleine Anfrage einzureichen oder den Leiter des Prüfungsamtes 2 anzurufen, um dafür zu sorgen, dass die dort beschäftigte Frau T. mindestens eine solche Behandlung erfährt, wie sie sie mir heute morgen zuteil werden ließ…

Mein Antrag auf Befreiung von Studiengebühren wurde kürzlich abgelehnt, weshalb ich derzeit 500 Euro dafür berappe, an dieser Universität noch 2 Prüfungen ablegen zu dürfen. “Studiengebühren führen zu mehr Serviceorientierung” war in der Vergangenheit eines der gewichtigsten Argumente von Befürworter.

Von Serviceorientierung spürte ich wenig, als Frau T. sich heute morgen weigerte, mir das Formular auszuhändigen, mit dem ich mich zu meinen letzten Prüfungen anmelden kann.

Gehen Sie raus, ich habe erst um 13.30 Uhr Sprechstunde“, brüllte sie mir entgegen, als ich es wagte, an ihrer Bürotür zu klopfen. Der freundliche Hinweis darauf, dass mir im Sekretariat gesagt wurde, sie sei die Vertretung der kranken Frau R. (und Frau R.s Sprechstunde beschränkt sich auf Dienstag morgen 10-12…) wurde wiederum beantwortet mit : “Aber meine Sprechstunde ist erst um 13.30 Uhr!” In meiner Dreistigkeit erzählte ich Frau T., dass ich eigentlich arbeite und schon seit einer halben Stunde im Büro sein müsse. Um 13.30 Uhr könne ich dort erst recht nicht fehlen. “Das ist nicht mein Problem“, entgegnete sie mir.

Ich bilanziere: Ich zahle 500 Euro für 2 Klausuren, die ich nicht schreiben kann, weil man mir das dafür nötige Formular nicht aushändigt. 

Hinzu kommt eine unbeschreibliche Wut auf mich selber, da ich mich seit 3 Stunden frage, warum ich mir das habe gefallen lassen und der Frau in meiner Fassungslosigkeit nicht vor dem gesamten Flur eine Szene gemacht habe. Ich rufe jetzt den Leiter des PA 2 an…

Träume müssen keine Träume bleiben!

Bloged in Kuriositäten des Alltags, Politische Kuriositäten von linda Dienstag Oktober 9, 2007

20 ausgeglichene, fröhliche, wissbegierige, fleißige, selbständige und kreative Kinder - davon träumen wohl die meisten Lehrer ein Leben lang…

Doch dieser Traum scheint nicht völlig utopisch zu sein. Für eine Story in der nächsten “Grün.de” besuchte ich heute gemeinsam mit Christa Goetsch, Kai und Brigitte die Max-Brauer-Schule in Altona und traute meinen Augen kaum:

Alle Klassen haben Fenster in den Türen, und überall sind fleißige, selbständig arbeitende Kinder zu beobachten. Dabei gehört der “Frontunterricht” vollständig der Vergangenheit an: die Gruppentische sind im Kreis um die Raummitte herum angeordnet, Tafeln sind nach Aussage der Schülerschaft nutzlos. Die Kinder machen sich zu Beginn jeder Woche individuelle Lernpläne, die sie mit ihren Lehrern durchsprechen und draufhin abarbeiten. Gruppenarbeiten und kreative Projekte nehmen dabei ebenso Raum ein, wie die Aneignung von Grundfertigkeiten in Englisch, Deutsch oder Mathematik.

Im Mittelpunkt steht die Idee der Vielfalt: jedes Kind hat sein eigenes Lerntempo, individuelle Stärken und Schwächen. Niemand wird zurückgelassen, jeder bringt seine Kreativität ein.

Derartige Phrasen lesen sich in Wahlprogrammen immer sehr nett, an der MBS bekommt man einen Eindruck davon, wie jene Ideen praktisch umgesetzt aussehen können: sehr beeindruckend.

Ich hoffe, all das bestätigt sich, wenn ich am Freitag noch 2 SchülerInnen interviewen darf. Leider wird die Schule, die den Deutschen Schulpreis erhielt, derart von  Anfragen überhäuft, dass in Bezug auf Hospitationen im Unterricht erst einmal eine Sperre verhängt wurde. Aber auch jetzt habe ich schon vieles gesehen, was mir eine Vorstellung gegeben hat, wie die neue Hamburger Schule evtl. einmal aussehen könnte, falls die GAL die absolute Mehrheit holt… - ein Traum? Das dachte ich von den perfekten Schülern auch! ;)

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