Erschreckenderweise nichts Neues von der Ehemaligen-Front!
“Du auch hier. Vor zwei Jahren hast Du Abi gemacht, oder?“, begrüßte mich mein ehemaliger Klassenlehrer gestern. “Nein, es ist 5, fast 6 Jahre her“, erklärte ich ihm. Immerhin kannte er meinen Namen noch immer…
Jedes Jahr am 27. Dezember findet an meiner alten Schule ein Ehemaligetreffen statt. Alle einstigen Schülerinnen und Schüler der Schule sowie einige Lehrerinnen und Lehrer bevölkern dann Schulhof, Eingangshalle, Flure und Cafeteria. Und aus meinem Jahrgang sind es leider fast jedes Jahr die gleichen Gesichter, die sich blicken lassen - nämlich jene, mit denen ich sowieso noch in lockerem Kontakt stehe oder solche, die es bis jetzt nicht geschafft haben, sich aus dem so vertrauten Umfeld jemals zu lösen.
Ich gebe zu, dass auch ich mich nicht allzu weit von der Schule entfernt habe. Sie liegt am Hamburger Stadtrand, und mit dem Auto dauert es von dort zu meiner Haustür ca. 20-25 Minuten. Doch möchte ich behaupten, dass ich seit meinem Abitur viel herumgekommen bin, mein Alltag sich stark verändert hat und mein Freundeskreis zum größten Teil ein komplett neuer ist. Nicht so bei einigen meiner damaligen Mitschüler. Sie machen Bank-, Buchhändlerlehre oder Referendariat im gleichen Ort, wohnen bei den Eltern und neue Beziehungen oder Freundschaften ergeben sich insbesondere mit Leuten, die damals einen Jahrgang über oder unter uns waren und ebenfalls in dieser Welt stecken geblieben sind…
Ähnlich erschreckend im Nachhinein die Tatsache, dass man sich am meisten eigentlich nur mit jenen zu sagen hat, die man sowieso im Laufe des Jahres hin und wieder trifft. Und mit meinem ehemaligen Mathe- und Physiklehrer. Auch für ihn hat sich in den letzten Jahren nicht viel verändert. Aber das ist wohl auch gut so - er darf der mir einst vertrauten kleinen Welt gern noch lange treu bleiben. Dass Menschen, die so alt sind wie ich dies scheinbar auch erstrebenswert finden, bleibt mir unerklärlich.


