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Längeres gemeinsames Lernen statt “sechsjähriger Grundschule”

Bloged in Politische Kuriositäten, Allgemein von linda Montag April 14, 2008

Wenn mich dieser Tage eines regelmäßig wieder auf die Palme bringt, so sind es die zahlreichen unqualifizierten Kommentare zu dem bildungspolitischen Kompromiss, der aus den schwarz-grünen Verhandlungen bereits bekannt geworden ist. Den Vogel schoss dabei heute wieder einmal - nachdem sie vergangene Woche bereits durch rechtsradikale Tendenzen in ihren Reihen in die Schlagzeilen geraten war - die Schüler Union ab. Den blödsinnigen Kommentar ihres Hamburger Vorsitzenden, eine Gruppe könne immer höchstens so stark sein wie ihr schwächstes Glied, hatte jener schon einmal von sich gegeben, als ich mit ihm im Rahmen des Budni-Forums vergangenes Jahr gemeinsam auf dem Podium saß. Das Publikum entgegnete dies damals mit ungläubigem Kopfschütteln. Es sei zu hoffen, dass die Mehrzahl der Abendblatt-Leser das heute auch tat.

Doch neben der Schüler Union melden sich dieser Tage noch eine Reihe weiterer, so genannter Bildungsexperten, in Medien jeglicher Couleur zu Wort. Die Urteile sind dabei so vielfältig wie die “Experten” selbst. Erschütternd nur, dass fast alle meinen, ein Konzept bewerten zu können, von dem sie - wie man den Kommentaren häufig entnimmt - nur die Hälfte kennen. Vielfach fällt der Begriff der “sechsjährigen Grundschule”, welcher erschreckend falsch ist, da er suggeriert, Lerninhalte und Lehrmethoden würden schlichtweg auf sechs Jahre ausgedehnt.

Zudem werden vielfach die Bedenken geäußert, starke Schüler würden unterfordert. Hinter dieser Angst steckt die Vorstellung, Frontalunterricht im Gleichschritt würde auch in Zukunft den Schulalltag bestimmen. Moderner Unterricht jedoch ist, wie auch Julia neulich bereits betonte, dadurch gekennzeichnet, dass jedes Kind in seinem individuellen Tempo lernen kann und dabei eigene Schwerpunkte setzt - ohne frontale Belehrung. So sitzen in einer Klasse Schülerinnen und Schüler zusammen, die sich auf unterschiedlichsten Lernniveaus befinden und gerade aus der Heterogenität heraus viele Stärken und neue Impulse ziehen.

Es war ein für mich sehr eindrucksvolles Gespräch, als mir Merle, Julian und Paula aus der Max-Brauer-Schule im vergangenen Jahr erklärten, wie solch ein Unterricht bei ihnen funktionieren kann. Ich habe damals versucht, die Erzählungen in einem Artikel für die GRÜN.de zu veranschaulichen, um neuartige Lehrkonzepte besser verständlich zu machen.

Klar geworden ist mir dabei allerdings eines: Wenn längeres gemeinsames Lernen funktionieren soll, dann bedarf es vor allem eines Umdenkens und eines grundlegenden pädagogischen Richtungswechsels in der Lehrerschaft. Dies zu erreichen wird für Christa wohl das härteste Stück Arbeit sein, wenn sie sich an die Umsetzung des schwarz-grünen Bildungskompromisses macht. Auch wenn dieser unter Christas Regie ein großer Schritt in die richtige Richtung ist, so bleibt er doch ein Kompromiss. Denn heute werden über 40% der Kinder nach Klasse 4 falsch sortiert, und viele Bildungskarrieren sind damit für immer verbaut. Ein längeres gemeinsames Lernen bis Klasse 6 kann diesen Effekt abschwächen, doch für wirkliche Chancengleichheit muss es weitergehen: Weg von der Vorstellung der homogenen Lerngruppen in einem aufgegliederten Schulsystem. Am besten lernt es sich in heterogenen Gruppen - und zwar jedeR individuell!

Kommentare »

  1. Michael

    „Am besten lernt es sich in heterogenen Gruppen - und zwar jedeR individuell!“ Ich glaub´, da hast Du Dich bei der Suche nach einem griffigen Satz etwas vertan - der suggeriert so für sich alleine stehend: Am besten lernt jeder für sich allein, wenn um ihn herum ganz unterschiedlich fähige Schüler sind. Irgendwie müsste man den Satz anders formulieren: Am besten lernt es sich in heterogenen Gruppen, in denen jedeR in seinen individuellen Stärken und Schwächen gefordert wird. Oder so?

  2. Linda

    Das ist echte Heitmann’sche Sprachkunst… ;)

    Aus dem Text wird wohl hoffentlich deutlich, was der Satz meint!

  3. Michael

    Na klar, aus dem Kontext schon, aber in ein paar Wochen interessiert der Kontext nicht mehr, wenn man Dich mit so einem griffigen Satz zitiert :-O

  4. Lernen funktioniert über Erfolg statt Strafe - ein politischer Filmtipp. | Bierwärtin

    […] zwei älteren Blog-Einträgen habe ich bereits betont, dass ich den Aspekt, wie an einer Schule gelernt wird, […]

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