Bierwärtin 

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Politische Selbstdemontage par excellence: die Hamburger Schüler-Union

Bloged in Politische Kuriositäten, Allgemein von linda Samstag Mai 24, 2008

Ramon (15), Vorsitzender der Hamburger Schüler-Union (SU), scheint in den letzten Monaten den klaren Vorsatz gefasst zu haben, seine Orgaisation einer breiteren Hamburger Öffentlichkeit bekannt zu machen. Als geeignetes Mittel hat er dafür die regelmäßige Veröffentlichung stark polarisierender Pressemitteilungen gewählt.

Von der Tagespresse aufgegriffen sorgen jene bei LeserInnen wie mir dabei allerdings insbesondere für nette Erheiterung. So beispielsweise die Kommentierung von Christas Amtsantritt: “Mit Frau Goetsch bekommt unsere Stadt eine Senatorin aufgedrückt, die bereits in der vergangenen Legislatur von ihrer Ahnungslosigkeit im Bildungssektor zeugte!”, erklärt die SU. Dass Christas bildungspolitische Vorstellungen andere sind, als jene der Schüler-Union, könnte man sich denken. Ahnungslosigkeit kann man ihr deswegen wohl allerdings kaum vorwerfen…

Doch den neuesten Coup landete die Organisation gestern: wie die TAZ berichtete, möchte sie nun die Linkspartei verbieten. Begründet wird dieser Schritt mit dem Kampf gegen Extremismus. Dass sich in den Reihen des SU-Vorstandes selbst kürzlich noch DVU-Mitglieder befanden, verschweigen die jungen PolitikerInnen allerdings.

Grundsätzlich finde ich es ja begrüßenswert, wenn politische Jugendorganisationen ihre Eigenständigkeit betonen und sich im Konfliktfall gegen ihre “Mutterpartei” stellen. Steht dahinter dann jedoch keine in sich schlüssige und glaubwürdige Begründung, so schadet die im Zuge dessen erreichte Öffentlichkeit vermutlich deutlich stärker, als dass sie förderlich ist.

Erschreckend: MoPo-Leserbriefe führen latenten Rassismus vor Augen!

Bloged in Politische Kuriositäten, Allgemein von linda Donnerstag Mai 22, 2008

Kaum habe ich meinen Job als migrations- und integrationspolitische Referentin abgegeben, wird das Thema in Hamburg brandaktuell: zum einen beschäftigt das Thema der so genannten “Ehrenmorde” die Stadt, zum zweiten hat die MoPo gestern den Skandal aufgedeckt, dass Familien mit ausländischen Wurzeln in Hamburger Kleingartenkolonien offene Ablehnung entgegenschlägt.

Die Zeitung bemüht sich, den Rassismus des Kleingartenchefs Kwint zu entlarven und Gegendarstellungen zu dessen Klischees und Hassparolen darzustellen, wie auch in dem heutigen Folgeartikel zur gestrigen Berichterstattung.

Extrem erschreckend sind allerdings die abgedruckten Leserbriefe, die leider nicht online zu finden sind. In ihnen spiegelt sich wider, wie tief latenter Rassismus in der Gesellschaft verankert ist. “Das Verhalten des Vereinsvorsitzenden war vielleicht etwas plump und diskriminierend, aber es war offen und ehrlich.”, schreibt Tilo Beyer. Und er schiebt auch gleich hinterher, warum: “Immer wieder hört man von Messerstechereien und Gewalt, weil sich Türken angegriffen fühlen, wenn man sie nur anguckt. Man muss kein Kleingärtner sein, um zu sehen, wieviele Ausländer Regeln nicht beachten, z.B. beim Grillen in öffentlichen Parks“, erklärt der Mopo-Leser.

Auch Frank Leander zeigt sich solidarisch mit Kleingartenbesitzer Kwint: “Das Bild der Türken, Russen etc. in Deutschland ist derart schlecht, dass die Reaktion der Kleingärtner nur verständlich ist“, meint er.

Insgesamt zeigen von den 5 zum Thema abgedruckten Briefen drei Stück klare rassistische Tendenzen auf. Da kann ich Jan Rasmus Ladwig nur beipflichten, der in seinem Brief erklärt: “Dank solcher Verallgemeinerungen werden Klischees und Vorurteile ewig aufrecht erhalten und Hass weiter geschürt“. E.Can aus Lübeck ergänzt: “da müssen wir uns nicht wundern, wenn die Rechten schon in den Bundestag einziehen“.

Wenigstens noch 2 vernünftige. Ich kann auch die Medien nur auffordern, Klischees, Verallgemeinerungen und Rassismus immer wieder entschieden entgegenzutreten. Ansonsten fühle auch ich als Deutsche (und ohne Migrationshintergrund) mich in dieser Gesellschaft zunehmend ziemlich fremd…

Chefin

Bloged in Kuriositäten des Alltags, Allgemein von linda Dienstag Mai 20, 2008

Seit gestern bin ich nun offiziell Arbeitgeberin. Henning und ich werden in den nächsten Monaten bis Jahren gemeinsam das Heitmann’sche Abgeordnetenbüro managen und die Stadt Hamburg vor allem im gesundheits- und drogenpolitischen Bereich ein bißchen grüner machen sowie dafür sorgen, dass Partizipation, Bildung und Betreuungsangebote für junge Menschen nach grüner Vorstellung vorangetrieben werden.

Ich hoffe, ich bin nicht zu streng ;) Hierarchien sind mir ein Greuel - ich will mein bestes versuchen, das Arbeitsverhältnis als eines auf gleicher Augenhöhe zu betrachten. Los geht’s! henninglinda.JPG

Du willst Dich beschweren? Sing ein Lied!

Bloged in Kuriositäten des Alltags, Allgemein von linda Freitag Mai 16, 2008

Kalte Füße, zu viel Spam im Postfach oder das Schicksal, immer in der langsameren Schlange zu stehe - die kleinen Ärgernisse des Alltags sind weltweit fast überall gleich. Doch an der Frage, wie man damit am besten umgeht, scheiden sich die Geister.

So ist der amerikanische Pastor Bowen der Auffassung, Beschwerden drückten auf die Seele und wer sich nicht beschwere, werde ein glücklicherer Mensch. Er hat deshalb die Kampagne “A complaint free world” ins Leben gerufen, mit der er Menschen dazu motivieren möchte, sich mindestens 21 Tage lang nicht zu beschweren. Über 5 Millionen Menschen haben bei ihm bereits kleine lila Armbändchen geordert und damit ihren Willen bekundet, an dem Projekt teilzunehmen.

Ich muss sagen, dass mich dieses Konzept nicht so recht überzeugt. Ich halte es dann doch für sinnvoller, meinem Ärger von Zeit zu Zeit Luft zu machen. Einen kreativen Weg, Beschwerden Ausdruck zu verleihen, haben die so genannten “complaints choirs” gewählt. Diese Chöre, die sich weltweit an verschiedenen Orten zusammengefunden haben, sammeln Beschwerden und machen daraus Lieder. Auch hier in Hamburg gab es mal ein solches Projekt. Dabei beschwerte sich der Wilhelmsburger Beschwerdechor u.a. über die schlechten Radwege über die Elbe sowie Ole von Beusts einseitige Politikfokussierung auf die Hafencity. Ich finde das musikalische Ergebnis sehr erheiternd, und viel von dem angesammelsten Frust verfliegt durch den Spaß bei der musikalischen Performance gleich wieder. Ein weiterer meiner Favoriten unter den Beschwerdechören ist jener aus Kanada. So ist Beschweren toll!

(Einen lieben Dank an meine Schulfreundin Maike, die zum Thema “Complaining” gerade einige SchülerInnen im rumänischen Constanta unterrichtet und in deren Englischkursen ich die beschriebenen Projekte am Dienstag kennenlernen durfte)

Lindas Mission “Diploma”: 75 % completed

Bloged in Diplomarbeit, Allgemein von linda Dienstag Mai 6, 2008

… 

- Abgabe der Diplomarbeit (zählt 40%) => erledigt Ende Oktober 07

- Diplomklausur im Hauptfach (zählt 10%)=> erledigt 15.2.08

- Diplomklausur im Wahlpflichtfach (zählt 10%)=> erledigt am 14.3.08

- mündliche Prüfung im Wahlpflichtfach (zählt 15%)=> erledigt am 6.5.08

* mündliche Prüfung im Hauptfach (zählt 10%)=> noch offen

* mündlicher Vortrag mit Diskussion im Hauptfach (zählt 15%)=> noch offen

 Ich hab keine Lust mehr, aber irgendwie sagt mein Verstand, es wäre blöd, die Mission jetzt abzubrechen… *seufz*

Der 1.Mai in Barmbek: eine dufte Party bei Sonnenschein

Bloged in Allgemein von linda Donnerstag Mai 1, 2008

“Nazis raus” fordert ein Plakat auf einem Balkon im 2. Stock eines Rotklinkerbaus in Hamburg-Barmbek am heutigen 1. Mai. Daneben steht ein junges Elternpaar mit zwei kleinen Kindern, die fröhlich den vorbeiziehenden Demonstranten zuwinken. Links daneben, einen Stock höher, lehnt eine ältere Frau aus ihrem Fenster und sieht ebenfalls zufrieden lächelnd auf den Demozug herab.

Von rund 10.000 Teilnehmern spricht das breit aufgestellte “Hamburger Bündnis gegen Rechts” an diesem Feiertag. Die Polizei vermutet 6000. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Zeitgleich hat die NPD in Barmbek eine Demo angemeldet. Wie ich später auf SPIEGEL online erfahre, sind im Zuge dessen etwa 1100 Rechtsradikale auf Barmbeks Straßen unterwegs. Erklärtes Ziel unsererseits ist es, die Marschroute der NPDler zu blockieren.

Doch während sich die Presse im Anschluss in ihrer Berichterstattung wieder einmal mit Katastrophenmeldungen überschlägt, erlebe ich ein kleines Straßenfest bei strahlendem Sonnenschein. Die einzige Auseinandersetzung, die ich an diesem späten Vormittag bereits engagiert führe, richtet sich gegen Sebastians Eitelkeiten.  “Da bleiben doch Löcher im Hemd” belehrt er mich ärgerlich, als ich ihm einen der “Toleranz”-Buttons von der GRÜNEN JUGEND Hamburg anstecke. Im Kompromissverfahren platzieren wir den Button schließlich auf seinem Rucksackträger. bild001.jpg

Weniger eitel ist Anjes. Er freut sich noch unbändig über den Button an seiner Brust bild006.jpg, als im Hintergrund schwarze Rauchwolken in den Himmel aufsteigen. Etwa 400 Meter entfernt brennt ein Reifenlager, wie ich später aus der Presse erfahre. Der Sonntagnachmittags-Spaziergangstimmung im bürgerlichen Demo-Lager kann das wenig anhaben. Als durch den Lautsprecherwagen die Aufforderung kommt, links in die Straße “Alte Wöhr” abzubiegen, da man dort hinter einer Polizeiblockade den Nazi-Aufmarsch erahnen könne, bewegt sich der Zug bis direkt vor die Wasserwerfer und verharrt dort neben brennenden Containern und Mülleimern. Anhänger des “schwarzen Blocks” versuchen, durch die Nebenstraßen durchzudringen, doch hier bleibt die Stimmung friedlich.

Auf der Heimfahrt einige Zeit später erblickt Katharina in unserem U-Bahn-Waggon erfreut einen selbstgebastelten Lautsprecherwagen, der aus Rollstuhl, Einkaufswagen und einer LKW-Batterie zusammengebastelt ist. “So einen brauchen wir für den Wahlkampf auch!” Kaum setzt sich die Bahn in Bewegung, werden die Boxen voll aufgedreht, und der Waggon entwickelt sich zur Party-Location. “Das wackelt aber ganz schön“, bemerkt ein Mädchen hinter mir, als die Tanzenden den Waggon spürbar im Takt der Musik zum Vibrieren bringen. Katharina gefällt es so gut, dass sie glatt noch bis Landungsbrücken mitfährt, obwohl sie bereits an der Feldstraße hätte aussteigen wollen.

Die Demo in Barmbek: eine dufte Party ! Von Krawallen erfahre ich erst aus der Presse…

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