Wie sieht der korrekte Generationenwechsel aus?
Nachwuchsprobleme und Mangel an jungen Vertretern in Führungspositionen werden fast allen Parteien immer wieder vorgeworfen. So wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, wohl zurecht bemängelt, dass das bayerische “CSU-Imperium Stoiber” nach seinem Umsturz von Beckstein und Huber übernommen wurde - zwei alt gedienten Parteisoldaten, die seit Jahrzehnten im und vom politischen System existeren und wenig neue Ideen erwarten ließen.
Vor knapp zwei Wochen nun wählten wir uns in Hamburg Katharina (31) und Anjes (27) an die grüne Parteispitze und prompt wurden von der Presse die gegenteiligen Vorwürfe und Zweifel geschürt.
So fragte Mathis Neuburger im Interview in der Morgenpost vom 24.6.08 gleich zu Beginn sehr provokativ: Fehlen der GAL gute Leute, oder warum wird eine 31-Jährige, die erst vier Jahre Mitglied ist, Vorsitzende? Wie ich finde, hat Katharina darauf sehr treffend die einzig richtige Antwort gegeben: Wir sind gute Leute, auch wenn wir jung sind!
Denn nicht Alter, sondern Kompetenz sollte ausschlaggebend für die Besetzung eines solchen Postens sein. Und dass mit dem Alter auch automatisch die Kompetenz wächst (bzw. bei Jüngeren automatisch geringer ist), wie häufig suggeriert, wage ich zu bezweifeln.
Als wichtigsten Faktor, vom Alter vollkommen abgekoppelt, bewerte ich allerdings am ehesten die persönliche Unabhängigkeit von der Politik. Ein Problem ist häufig doch, dass altgediente Parteisoldaten den Blick für neue Ideen und Politikperspektiven verlieren, weil sie an Ämtern kleben und in starren Strukturen stur auf Wiederwahl oder parteipolitischen Aufstieg hinarbeiten. Vielleicht hängt ein erfolgreicher “Generationenwechsel” daher gar nicht allzu sehr am Alter, sondern auch zu einem guten Teil an der “politischen Unverbrauchtheit”. Mit Katharina und Anjes bin ich auf jeden Fall zuversichtlich, dass er in Hamburg in jeder Hinsicht gelungen ist.



am 8. Juli 2008 um 00:58 Uhr.
Liebe Linda,
ich teile deine Einschätzungen nur sehr begrenzt. Unbestritten ist Kompetenz unabhängig vom Alter. Mit dem Alter macht man aber viele Erfahrungen, knüpft Netzwerke und kann auch neue Blickwinkel entdecken. Nicht alle erstarren zu Betonköpfen. Und nicht jede Partei, die ältere Kandidaten hat, vertritt ein verstaubtes Programm.
Wenn ich mir meine Kommunalpolitiker aber man genauer anschaue, fällt mir insbesondere bei dem Grünen und bei der Linken eine enorme Differenz zwischen dem Anspruch und der Wirklichkeit auf.
Gleichzeitig habe ich immer wieder festgestellt, dass gerade “Jungpolitiker” in vielen Fällen geistig unbeweglicher sind, fanatischer ihren Idealen nachstreben. Zudem sind gerade die jungen Abgeordneten in finanizieller Sicht eher von der Politik abhängig, gebundender, sich wohlgefällig zu verhalten. Zwar wird manchmal ein bißchen Show gemacht, manches Klisches bedient, aber im Ergebnis schreckt die Mehrzahl der jugendlichen Entscheidungsträger davor zurück, positiv aus dem Rahmen zu fallen.
Ich glaube, wir können uns darauf einigen, das Alter (weder Jung noch Alt) alleine eine Tugend oder ein Markel ist, sondern erst die erreichten Ziele über den Erfolg entscheiden.
Bevor du in deinem Beitrag Presseschelte betreibst, müssen die jungen GAL-Vorsitzenden und die jungen Bürgerschaftsabgeordneten erst einmal den Beweis antreten, dass sie Dinge gestalten können und bereit sind, für etwas einzutreten.
am 29. Juli 2008 um 08:39 Uhr.
Schade das du nach deiner Wahl scheinbar keine Zeit meh zum bloggen findest. Themen dürfte es ja mehr als genug geben nun. So bleibt die Hamburger Politik weiterhin ein vom Bürger weit entferntes Vehikel, über welche nur das Senatsblatt in und wieder lobhudelnd berichtet.
Setze hier in Hamburg großes auf alle Blogger um diesen Zustand zu verbessern. Auch eine art Generationswechsel, neue Methoden mitzubringen und das Internet nicht mehr fahrlässig zu vernachlässigen. Habe auch bei dir noch gute Hoffnung. Viel Erfolg!
am 4. August 2008 um 11:16 Uhr.
@ R.: sorry, ich gelobe Besserrung. War in den letzten Wochen mit Diplomprüfungen, Büroumzug u.ä. ziemlich gut beschäftigt. Aber nach der Sommerpause sollte sich hoffentlich wieder viel Blogbares ergeben!
@Cunctator: ich glaube, so weit liegen wir mit unseren Ansichten gar nicht auseinander. Natürlich müssen sich auch junge FunktionsträgerInnen erst einmal beweisen, aber nicht mehr und nicht weniger als alle anderen auch, wie ich finde! Weder “jung sein” noch “alt sein” is per se eine Qualifikation. Allerdigs hatte ich bei der Berichterstattung über unser junges Führungsduo leider häufig den Eindruck, dass den beiden allein auf Grund ihres Alters eine Grundskepsis entgegengebracht wurde.