Bierwärtin 

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Stilblüten der Wahlkreiskorrespondenz: Die Hamburger CDU und die Frage der Cannabis-Legalisierung…

Bloged in Kuriositäten des Alltags, Politische Kuriositäten von linda Mittwoch November 26, 2008

Ist Hamburg eine “kiffende Stadt” oder auf dem Weg zum “Weltkaff”? Eine spannende Diskussion über derartige Formulierungen fechtet derzeit ein CDU-Bürgerschaftskollege mit einem Hamburger Bürger (Herr R.) in einer Briefkorrespondenz aus, die mir Ende vergangener Woche zur Info ebenfalls zuging und deren Lektüre mich gut erheiterte.

So ist der engagierte Briefeschreiber der Ansicht, eine Cannabis-Legalisierung würde Hamburg wirtschaftlich weit nach vorne bringen. “In einer modernen globalisierten Welt wandern die talentierten Menschen einfach ab, wenn es einen Abbau von Bürgerrechten gibt. […] Kein normaler Mensch träumt davon, nach Salt Lake City oder Riad zu fahren. Eher nach Vancouver, Las Vegas oder Amsterdam” führt er aus. Und gibt auch gleich Tipps, wie man im Rahmen der Cannabis-Legalisierung außerdem jede Menge Touristen für unsere Hansestadt begeistern könnte: mit einem Coffee Shop in der Speicherstadt und einem jährlich veranstalteten Hanffest beispielsweise. “Unser Hanffest wäre viel sicherer als das Oktoberfest. Wir hätten gute Musik statt Lärm. Und Frieden statt sinnloser Schlägereien“.

Wie an dieser Stelle bereits angedeutet, sieht der schreibfreudige Bürger in der Legalisierung von Cannabis zudem ein schlüssiges Konzept gegen Gewalt auf dem Kiez. “Die Leute werden von Cannabis nicht psychopathisch, sondern eher nachdenklicher. Und davor hat der Staat Angst. Wenn die Stadtregierung ernsthaft die Gewalt in St. Pauli reduzieren möchte, dann sollte es einen Coffeeshop auf der Reeperbahn geben. Schließlich schlitzen sich die wahren Psychos nicht mit Jointenden auf.”

Meinen Bürgerschaftskollegen von der CDU kann diese Argumentation jedoch nicht überzeugen. Daher führt er aus, wie die Kriminalität durch eine Legalisierung erst vorangetrieben würde: “Die von Ihnen genossenen Drogen werden meist unter Ausbeutung der lokalen Bevölkerung angebaut. An dieser Stelle darf ich Sie daher darauf hinweisen, dass Sie ‘das Unrecht dieser Welt’ unterstützen’“, so seine Erläuterung.

Auch überzeugen ihn die rosigen wirtschaftlichen Prognosen nicht. “Ihrer Prognose muss ich entgegenhalten, dass Cannabiskonsum äußerst erschlaffend wirkt, so dass eine Legalisierung unsere schöne Stadt viel eher auf den Weg zum ‘Weltkaff’ bringen würde, als es die Cannabis-Prohibition tut.

Dabei hatte Herr R. bereits vorher ausgeführt, dass seiner Ansicht nach jeder, der arbeite und Steuern zahle, als verantwortungsvoll genug eingestuft werden könne, um über einen vernünftigen Umgang mit Rauschmitteln eigenständig zu entscheiden. “Wäre die ganze Propaganda wahr, dann wären die Nahverkehrszüge und Straßen längst leer, denn […] ehrlich gesagt: wer Probleme mit Cannabis bekommt, kommt bestimmt nicht einmal mit Leitungswasser klar“, erläutert er.

Ein weiterer Streitpunkt zwischen Bürger und CDU-Politiker sind die gesundheitlichen Folgen des Konsums. Die Politiker-Bedenken bezüglich einer Einschränkung der Fortpflanzungsfähigkeit wischt Bürger R. mit vernichtenden Argumenten vom Tisch: “Es gibt zwei Völker, die seit Jahrtausenden gekifft haben. Und wollen Sie behaupten, dass es zu Beginn des 22. Jahrhunderts keine Inder oder Chinesen mehr geben wird?!

Welche Ansicht sich langfristig durchsetzen wird, bleibt wohl abzuwarten und hängt - wie meist in der Politik - von jeweiligen Mehrheitsverhältnissen ab… doch sogar jene scheinen strittig unter den Briefeschreibern. “Es ist durchaus Absicht der Bundesregierung - übrigens nicht ohne Legitimation der Bevölkerung - Hamburg so weit wie möglich eine ‘kifferfreie’ Stadt werden/bleiben zu lassen“, erläutert der Christdemokrat, und bringt seine Meinung auf den Punkt mit: “Wenn es nach meiner Meinung - und jener der CDU - geht, so wird kiffen tatsächlich für immer illegal bleiben” Ob damit tatsächlich das letzte Wort gesprochen ist, bezweifelt Bürger R.. “Es gibt offiziell 1,5 Millionen Kiffer und nur 532 000 CDU-Mitglieder“, stellt er fest.

Somit geht der literarisch meisterwerkliche Streit in die nächste Runde. Ich freu mich drauf!

BDK in Erfurt - von realo und links und dem Dazwischen…

Bloged in Politische Kuriositäten, Allgemein von linda Samstag November 15, 2008

Samstag mittag auf der grünen Bundesdelegiertenkonferenz in Erfurt:

nachdem die Reihen am gestrigen Abend teilweise noch etwas lichter waren, sind heute alle Delegierten eingetroffen und wühlen sich durch die Antragsflut zum Leitantrag. In der letzten Reihe am Hamburger Tisch sind derweil auch zahlreiche als “Gäste” und “Ersatzdelegierte” gekennzeichnete GALierinnen mit dabei, die die Debatten eher nebenbei wahrnehmen und in erster Linie die gestrige Nacht Revue passieren lassen.

Denn nach Versammlungsende gegen 22.30 Uhr fanden gestern traditionell noch die so genannten “Flügeltreffen” von Linken und Realos statt. Während derartige Grabenkämpfe in Hamburg glücklicherweise weitgehend überwunden sind, werden sie auf Bundesebene noch immer sorgsam gepflegt.

Demonstrativ seilte sich ein kleiner Block der Grünen Jugend unter dem Motto “Wir lassen uns nicht in Flügel pressen, sondern trinken lieber Bier” ab. Ähnliches praktizierte auch ich - weniger offiziell - mit einigen HamburgerInnen. Viele andere Nordlichter besuchten mit einer gewissen Neugier hingegen eines der Flügeltreffen und bereiten dies fast durch die Bank hindurch nun nach. Dabei fällt die Bewertung relativ einheitlich aus - egal ob von Realo- oder vom Linken-Treffen: leicht befremdlich…

Denn eines der Haupt-Themen scheinen die für den Nachmittag angesetzten Wahlen sowie dazugehörige Empfehlungen gewesen zu sein, was viele eher kontraproduktiv fanden… Denn eine Meinung zu Kandidaten sollte man sich doch lieber selbst bilden.

Ihren klaren Favoriten haben auf jeden Fall Filiz und Canan schon gefunden:

filiz_canan.JPG Denn die beiden wollen mit Cem den ersten Parteivorsitzenden mit Migrationshintergrund mitwählen. Als Ersatzdelegierte drücke ich lediglich die Daumen, dass das klappt.

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